Ein Fest der deutsch-brasilianischen Freundschaft: Bericht über das Konzert am 9. Januar 2026 | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Ein Fest der deutsch-brasilianischen Freundschaft: Bericht über das Konzert am 9. Januar 2026

Ein Fest der deutsch-brasilianischen Freundschaft: Bericht über das Konzert am 9. Januar 2026.

„Concerto Pontes – ein Brückenschlag zwischen Brasilien und Europa“ heißt die aktuelle Tournee des Caxias Ensembles aus Dois Irmãos. Diese Stadt mit knapp 5000 Einwohnern liegt im Bundesstaat Rio Grande do Sul ganz im Süden von Brasilien. Von dort hat sich das zehnköpfige Orchester für eine selbst organisierte Konzerttour auf den Weg nach Europa gemacht. Angekommen am 20. Dezember geht es am 17. Januar zurück in die Heimat.

Ulrike Job, Vorsitzende des Kulturvereins Kapellen-Drusweiler leitete das Konzert am 09. Januar mit den Worten ein: „Frankfurt, Wuppertal, Luxemburg, München, Erding – und Kapellen-Drusweiler“ und erntete damit einen Lacher für das Hervorheben unseres Ortes als musikalischen Hotspot. Knapp 100 Zuhörer waren der Einladung in die Wasgauhalle gefolgt und bekamen ein furioses Konzert auf hohem musikalischem Niveau zu hören. Mancher Gast entschuldigte den fehlenden Partner mit den Worten „der hat es nicht so mit Klassik“, sagte im Anschluss aber „der hat was versäumt, dem hätte das auch gefallen“. Die klassische Besetzung eines Streichquartetts (Geige, Bratsche, Cello) wurde ergänzt um einen wuchtigen Kontrabass, Querflöte, Schlagzeug und ein alle begeisterndes Akkordeon. Werke südamerikanischer Komponisten wie Astor Piazzolla brachten das Publikum zum Mitwippen und -klatschen und damit eine tolle Atmosphäre in den Saal. Das Orchester sagte im Nachgang, das Konzert in Kapellen-Drusweiler sei absolut das Beste auf der bisherigen Tour gewesen.

Nach dem Konzert und zwei Zugaben gab es einiges Interessantes zu hören. Denn wie kommt ein brasilianisches Orchester in einen Ort wie Kapellen-Drusweiler? Benjamin Wagener, Filmemacher der Filme „Hiwwewiedriwwe 1 und 2“, und sein Protagonist Monji, Sänger der Band Woifeschdkänich, waren am Konzertabend vor Ort und berichteten über die zurückliegenden Filmarbeiten in Südbrasilien. Dort waren sie im Oktober 2025, um den dritten Teil der Auswanderergeschichte zu Pfälzern in der neuen Welt zu drehen. Der neue Film wird unter dem Titel "Dehäm - Pälzer in de Pampa" laufen. Vor knapp 200 Jahren waren vor allem Nordpfälzer und Leute aus dem Hunsrück nach Südbrasilien ausgewandert. Dort wird bis heute ein deutscher Dialekt gesprochen, den auch die Musiker im Gepäck hatten – mal mehr und mal weniger. Bei den Dreharbeiten kam der Kontakt zum Orchester zustande und somit das Orchester jetzt in die Pfalz. Von der Band Woifeschdkänisch kam auch der Kontrabass, der das Orchester auf der gesamten Tour begleitet. Damit konnte man sich den im „Handgepäck“ im Flieger sparen, auch das Schlagzeug wurde für die Tour geliehen. Aus dem selben Grund mussten auch Notenständer fürs Konzert organisiert werden. Vielen Dank dafür an Elisabeth Heinz und Jürgen Bolz. Es waren ursprünglich mehr Konzerte in der Pfalz geplant, was leider – auch wegen der etwas unglücklichen Zeit über die Feiertage des Jahreswechsels – nicht zustande kam. In Brasilien ist gerade Sommer und die Musiker konnten damit die Sommerferien für ihre Reise nutzen.

Der Konzertabend klang aus beim gemeinsamen Trinken und Essen und Aufräumen, bei dem auch das Orchester Hand anlegte. Doch die Geschichte endet damit noch nicht. Vor dem Konzert war die Truppe bereits einige Tage im Ort, gratis untergebracht in Ferienwohnungen auf dem Eichenhof (an anderen Konzertstandorten werden immer Gastfamilien gesucht). Hier hatte schon manches Gespräch beim Wein stattgefunden, man lernte wie man eine richtige Schorle macht, es wurden Kontakte geknüpft und Einladungen nach Brasilien ausgesprochen. Am Konzertabend gab es dann noch eine Einladung in ein Weingut im Ort, dem ein lustig-musikalischer Samstagnachmittag im urigen Weinkeller folgte. Natürlich begleitet vom neuen Lieblingsessen des Orchesters: Laugenbrezeln.

Den Abschluss machte man auf dem Knutfest des Sportvereins bei Bratwurst, Waffeln und Glühwein, bevor die Reise am Sonntag früh weiter ging nach Nördlingen in Bayern. Fazit: ein toller kultureller Auftakt des neuen Jahres!